MODUS - Institut für Wirtschafts– und Sozialforschung

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Bevölkerungsprognosen

Um eine möglichst genaue Projektion der Bevölkerung zu erstellen ist es notwendig, viele verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, die die Entwicklung beeinflussen. So hat z.B. die Bereitstellung von Bauland oder die vorhandene Infrastruktur an gesundheitlicher Versorgung oder das Vorhandensein von Spielplätzen etc. einen Einfluss auf die Attraktivität eines Wohnortes und damit auf den Zuzug von Familien, was sich wiederum auf den Arbeitsmarkt etc. auswirkt.

 

Die wichtigsten Faktoren für die Bevölkerungsprojektion sind die Geburten, die Sterbefälle und die Wanderungen in einer Region. Alle anderen Parameter wirken auf diese Faktoren ein. So hat z.B. die gesundheitliche Versorgung innerhalb einer Region nicht nur einen Einfluss auf die Sterbefälle, sondern auch auf die Zuwanderung, da die Menschen eher in eine besser versorgte Region ziehen. Die Gewichtung der einzelnen Faktoren erfolgt aufgrund der regionalspezifischen Entwicklung, d.h. es wird z.B. aus den bisherigen Wanderungen unter Berücksichtigung der weiteren Faktoren ein regionales Modell der Ursachen der Wanderungen errechnet. Damit lassen sich die Wanderungen sehr viel genauer prognostizieren als mit herkömmlichen Verfahren. Die notwendigen Daten werden auf kleinräumiger Ebene erfasst, d.h., es werden die Geburten, Sterbefälle, Wanderungen etc. in der entsprechenden Region für die Berechnung herangezogen.

 

Generell gilt: Je mehr regionalspezifische Daten einbezogen werden, desto genauer kann die Bevölkerung vorausberechnet werden.

 

Szenarien der Bevölkerungsentwicklung

Je größer der Zeitraum der Projektion gewählt wird, desto unsicherer werden die Ergebnisse aufgrund nicht vorhersehbarer Ereignisse, wie z.B. Grenzöffnungen, Gesetzesänderungen etc. So ist mit der EU-Erweiterung mit (vorübergehenden) deutlichen Zuwanderungsgewinnen zu rechnen. Oder die Erhöhung des Kindergeldes führt (in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit) dazu, dass tendenziell mehr Kinder geboren werden.

 

Da dies ebenfalls nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung haben kann, geht man immer mehr dazu über, unterschiedliche Szenarien darzustellen, die verschiedene Annahmen der Parameter beinhalten. So werden üblicherweise verschiedene Wanderungsannahmen in die Berechnung einbezogen, die sich unterschiedlich auf die Bevölkerungsentwicklung auswirken. Aber auch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, der gesundheitlichen Versorgung, des Preisniveaus etc. haben Auswirkungen auf die Entwicklung der Bevölkerung, die anhand unterschiedlicher Szenarien abgebildet werden können.

 

Durch Variation der Parameter der Bevölkerungsvorausberechnung besteht auch die Möglichkeit, Zielwerte anzugeben und zu berechnen, welche Bedingungen gegeben sein müssten, um diese Ziel zu erreichen. Soll z.B. herausgefunden werden, was sein müsste, um die Bevölkerung auf dem heutigen Stand zu halten, können die Faktoren des Modells so verändert werden, dass ersichtlich wird, welche Parameter realistischerweise verändert werden sollten.

                                                                                                                        

Dadurch lässt sich z.B. errechnen, wie viele Wohnungen in welcher Größe neu zur Verfügung gestellt werden müssten, um Familien neu anzusiedeln. Da die Bevölkerung in jeder Region mehr oder weniger unterschiedlich ist, ist auch hier die regionalspezifische Berücksichtigung der Daten notwendig.

 

Das Ergebnis ist eine regionalspezifische Feststellung, wie sich bestimmte Veränderungen auswirken und was verändert werden müsste, um einen bestimmten Bevölkerungsstand zu erreichen.


Anwendungsmöglichkeiten

 

Die Entwicklung der Bevölkerung in den unterschiedlichen Altersgruppen für sich alleine betrachtet gibt Auskunft darüber, wie sich die Zielgruppen für verschiedene Planungsbereiche in Zukunft darstellen. Es können damit z.B. Aussagen getroffen werden hinsichtlich der zukünftigen Zahl an Grund- oder Hauptschülern oder der zukünftigen Zahl an Hochbetagten als Zielgruppe für stationäre Einrichtungen der Altenpflege etc. Wie sich allerdings der Bedarf an Klassenzimmern oder Plätzen in stationären Einrichtungen entwickeln wird, dafür sind zusätzliche Berechnungen notwendig, da z.B. die Entwicklung der Klassenstärke oder die regionale Inanspruchnahme stationärer Versorgung mit berücksichtigt werden muss.

 

Aufbauend auf der Bevölkerungsprojektion lassen sich folgende Anwendungsbereiche berechnen:

Kinderkrippen, Kindergärten, Grund- und Hauptschulen, Jugendliche, Erwerbspotential (gesamt und nach Branchen), Wohnungsbedarf (Baulandbedarf), Bedarf an stationären Pflegeplätzen, Sozialhilfeempfänger, Lohn- und Einkommenssteuer, Gemeindesteuereinnahmen

 

Bedarf an Plätzen in stationären Einrichtungen

Für jeden Anwendungsbereich werden unterschiedliche Varianten berechnet, um die verschiedenen Entwicklungspotentiale aufzeigen zu können. So wird z.B. bei der Berechnung des Bedarfs an stationären Pflegeplätzen ein Mindest- und ein Maximalbedarf errechnet, um die Substitutionsmöglichkeiten mit der ambulanten und teilstationären Altenhilfe zu berücksichtigen.

 

Raumstruktur-Analyse

 

Ziel der Raumstruktur-Analyse ist es, Empfehlungen zu geben für die Entwicklung einer Region. Dabei werden die unterschiedlichen Faktoren Bevölkerung, Wirtschaft etc. einbezogen, um realistische Maßnahme-Empfehlungen, die kurz-, mittel- oder langfristig umgesetzt werden können, zu erarbeiten. 

Beispiel: Die Bevölkerung in einer Region schrumpft seit mehreren Jahren. Dadurch gehen Steuereinnahmen der Bevölkerung, Gewerbesteuereinnahmen der Unternehmen durch fehlenden Konsum etc. verloren. Nach der Analyse der Bevölkerungsstruktur sowie der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen werden die örtlichen Möglichkeiten für den Zuzug unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Wirtschaftsunternehmen geprüft. Dabei kommt es im Wesentlichen darauf an, kurz-, mittel- und langfristige Kosten und Nutzen der verschiedenen Möglichkeiten gegenüber zu stellen sowie die regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen, um gezielte Empfehlungen für die Region geben zu können.

 

Die Raumstruktur-Analyse beinhaltet folgende Leistungen (Übersicht):

Berechnung der Bevölkerungsentwicklung und des Wirtschaftspotentials einer Region

Erfassung der regionalen Besonderheiten (Verflechtungen, regionale Strukturunterschiede etc.)

Berechnung verschiedener Szenarien mit Kosten-Nutzen-Abschätzung (kurz-, mittel- und langfristig)

Maßnahmenempfehlungen zur Entwicklung des regionalen Potentials (unter Berücksichtigung kleinräumiger Entwicklungen)

 

Ergebnis der Raumstruktur-Analyse ist es, verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, wie eine Region unter den gegebenen Umständen, der Bevölkerungsstruktur, des wirtschaftlichen Potentials sowie der regionalen Besonderheiten, bestimmte, festzulegende Ziele erreichen kann (z.B. Erhaltung des Bevölkerungsstandes, Schaffung von Arbeitsplätzen etc.).

 

Benchmarking

 

Das Benchmarking-System hat zum Ziel aufzuzeigen, welche Position eine Region hinsichtlich verschiedener Kriterien im Vergleich zu anderen Regionen und dem Gesamtgebiet einnimmt. Dabei können als Kriterien alle vergleichbaren, auf einheitlichem Wege erfassten Daten herangezogen werden. Aus der Kombination der Vergleichsdaten lassen sich Erkenntnisse gewinnen, an welchen besonderen Bedingungen man sich orientieren kann, um Verbesserungen für die eigene Region zu erreichen.

 

Zum Beispiel können wirtschaftliche Faktoren, wie z.B. Arbeitslosigkeit, offene Stellen, Wirtschaftswachstum, Wirtschaftsstruktur, Lohnniveau etc. heran gezogen werden, um das Wirtschaftspotential einer Region zu errechnen. Aus dem Vergleich mit anderen, wirtschaftlich erfolgreichen Regionen, lassen sich Erkenntnisse gewinnen, welche Wirtschaftssektoren unter welchen Rahmenbedingungen besonders geeignet sind, um den wirtschaftlichen Erfolg einer Region zu erhöhen.


Die einzelnen Benchmarking-Systeme setzen sich in der Regel aus mehreren Indikatoren zusammen. Die einzelnen Indikatoren werden dann zusammengefasst und ergeben die Beurteilung eines Bereichs.

 

Es stehen Benchmarking-Systeme für folgende Bereiche zur Verfügung:

Bevölkerung, Bildungswesen, Wirtschaft, Fremdenverkehr, Finanzen

 

Die Bereiche zusammen genommen wiederum ergeben die Gesamtbeurteilung in der Region. Das Ergebnis wird mit der Region mit der besten und der Region mit der schlechtesten Bewertung sowie mit anderen Regionen verglichen. Es werden für alle Einzelindikatoren und die Gesamtbeurteilungen Index-Werte errechnet, die die Bandbreite der Beurteilungen vergleichbar machen (Index-Wert von 100 bedeutet die bestmögliche Einschätzung, der Wert 0 entspricht der schlechtest möglichen Beurteilung.

 

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an Edmund.Goertler@modus-bamberg.de

Teil 2: Methode und Module